Gynäkologie & Geburtshilfe
Klimakterium: Diagnose
Klimakterium allgemein
Definitionen
Menopause: Zeitpunkt der letzten Regelblutung
Postmenopause: Beginn 1 Jahr nach der letzten Regelblutung
Periklimakterium: Phase, die mit dem Auftreten erster Zyklusunregelmäßigkeiten beginnt und bis in Postmenopausenzeit hinreicht
Das Klimakterium selbst ist als Übergangsphase zu verstehen, in der neben dem Versiegen der reproduktiven Funktion auch ein Defizit an Sexualsteroiden besteht. Die Tatsache, dass heute fast jede Frau die "Wechseljahre" ereicht, ist die Konsequenz soziobiologischer Errungenschaften, somit eine vom menschlichen Fortschritt bewirkte Entwicklung, die neben wertvollen Erfahrungen auch behandlungsbedürftige Gesundheitsrisiken mit sich bringt.
Chronologie
Die Ätiologie des klimakterischen Syndroms besteht in der sukzessiven Verminderung der ovariellen Steroidsynthese. Zunächst findet sich ein Ansteigen des Inhibins, was eine Erhöhung der Gonadotropinsekretion zur Folge hat. Mit dem Absinken der Progesteronproduktion stellen sich Zyklusunregelmäßigkeiten sowie typische Progesteron-Mangel-Symptome, wie prämenstruelle Mastalgie, Ödemneigung oder Migräne, ein. Mit dem Versiegen der ovariellen Östrogenproduktion treten Hitzewallungen und Schweißausbrüche auf. Die Menstruationsblutungen werden schwächer und bleiben schließlich gänzlich aus. 5-10 Jahre nach der Menopause sinkt auch die Androgenproduktion deutlich ab ("Andropause"). Auch nach der Menopause bleibt das Ovar zusammen mit der Nebennierenrinde eine gonadotropinabhängige Quelle der Androgenproduktion, die als biochemische Vorläufer der Östrogene für die periphere Aromatisierung zur Verfügung stehen.
Diagnostik
- 17β-Östradiol: <30 pg/ml; zur Abschätzung der ovariellen Östrogenakivität
- FSH: >20 mU/ml; zur Bestätigung des Eintritts der Menopause
- Prolaktin: 0,3-25 ng/ml; zum Ausschluss eines Prolaktinoms, das ebenfalls eine sekundäre Amenorrhoe verursachen kann.
- Testosteron: 0,2-0,8 ng/ml
- DHEAS: 0,35-4,3 ug/ml
- Progesteron
- Schilddrüsenparameter: Schilddrüsenfunktionsstörungen können klimakterische Beschwerden imitieren
Der Progesteronmangel
- Symptome: Unregelmäßigkeit der Menses, Wasserstau, Ödemneigung, Mastalgie, Gewichtszunahme, Depression, Migräne
- Diagnostik: meist klinisch, Anovulation, FSH durch Inhibinausfall bereits erhöht, Östradiol kann noch im Normbereich sein, Progesteron-Normbereich: 0-1,5 ng/ml Follikelphase, 3,0-20 ng/ml Lutealphase
Der Östrogenmangel
- Symptome: Hitzewallungen, Schweißausbrüche (v.a. nächtlich), Schlaflosigkeit, Haut-und Schleimhauttrockenheit, Gelenksbeschwerden (Arthropathia climacterica), Effluvium
- Diagnostik: Anamnese, FSH >20 mU/ml, E2 < 50pg/ml
Der Androgenmangel
- Symptome: nicht partnerabhängiger Libidoverlust, chronic-fatigue Syndrom, abdominelle Gewichtszunahme, Mammahypertrophie
- Diagnostik: Testosteron <0,2 ng/ml, DHEAS <1,0 µg/ml
Klimakterium - Spezielle Fragestellungen
Dermatologische Probleme im Klimakterium
Kolpitis senilis
Atrophie der Vaginalwände auf Grund eines Östrogenmangels führt zu Schmerzen und Blutungen bei Geschlechtsverkehr
Intrinsic aging
Atrophie der Haut, Verminderung des Gewebeturgors, Verlust von Feuchtigkeit und Elastizität, Hypoproliferation; bedingt u.a.durch den periklimakterischen Östrogenmangel
Extrinsic aging
unregelmäßiges Hautrelief, verstärkte Pigmentierung, Gefäßektasien, Hyperproliferation; bedingt u.a. durch UV-Exposition
Diagnostik
klinische Inspektion und Anamnese in Zusammenarbeit mit dem Dermatologen; Differentialdiagnose hypo-/hyperproliferative Hautalterung. Hormonbestimmungen E2 und Testosteron; Hautultraschall (als Kontrolle topischer Hormontherapie)
Arthropathia climacterica
Definiton
In Zusammenhang mit dem Klimakterium auftretende, v.a. kleine Gelenke betreffende, morgens am stärksten ausgeprägte Gelenksschmerzen, die im Verlaufe des Tages abklingen.
Ätiologie
Verstärkte Bildung von Entzündungsmediatoren (z.B.: IL-6) unter Östrogenmangel
Diagnostik
klinisches Bild, Bestimmung von E2 und FSH
Libidoverlust
Neben den häufigeren partnerschaftlich und psychologisch bedingten Libidostörungen können endokrine Ursachen eine Rolle spielen.
Ätiologie
Dyspareunie: topischer Mangel an Östrogenen führt zu Scheidentrockenheit und schmerzhaftem Geschlechtsverkehr
Testosteronmangel: Koitusfrequenz wie Libidofähigkeit korrelieren positiv mit der Testosteronsekretion. Häufige Nebenbefunde: chronic-fatigue Syndrom, abdominelle Gewichtszunahme
Diagnostik
Testosteron <0,2ng/ml
Adipositas
(siehe auch Adipositas)
Body-Mass-Index (Körpergewicht [kg]/Quadrat der Körpergröße [m²]);
| WHO-Klassifikation |
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Klinische Einteilung des Übergewichtes
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Body-mass-index (kg/m²)
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Normalgewicht
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18,5-24,9
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Grad I (Präadipositas)
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25,0-29,9
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Grad IIa
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30,0-34,9
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Grad IIb
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35,0-39,9
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Grad 3
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>40,0
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Ätiologie
- Hyperalimentation (häufigste Ursache), Hypothyreose, gyn.Endokrinopathien
- Gluteofemorales Fett: v.a. in der fertilen Lebensphase; unter dem Einfuss von Östrogenen und Progesteron
- Abdominelles Fett: v.a. in Postmenopause; bedingt durch die nachlassende Androgenproduktion
Diagnostik
- Anamnese (Essverhalten)
- Anthropometrie (Größen- und Gewichtsbestimmung, Fettvermessung)
- Hormonbestimmungen (E2, Testosteron, DHEAS, TSH, FSH)
Patientinnen mit Herzinfarkt und Thrombose
Für kardiovaskulär gefährdete Patientinnen sind natürliche Östrogene indiziert; für die Sekundärprävention jedoch nicht geeignet.
Alleinige Östrogentherapie ist bei vorhandenem Uterus kontraindiziert, jedoch mit gleichzeitiger Verabreichung von Progesteron empfehlenswert.
Diagnostik
Hormonbestimmung (Östradiol, Blutchemie)
Menopausale Lipidveränderungen
Cholesterol: >200 mg/100 ml (150-200 mg/100 ml)
LDL: >150 mg/100 ml (0-150 mg/100 ml)
HDL: <45 mg/100 ml (ab 45 mg/100 ml)
Triglyceride: >172 mg/100 ml (50-172 mg/100 ml)
Apolipoproteine a2: >27 mg/100 ml (26-66 mg/100 ml)
Ätiologie
Östradiol induziert die hepatischen LDL-Rezeptoren. Bei Abfall kann es zur Hypercholesterinämie kommen. Die Hyperlipidämie Typ IV entsteht durch Erhöhung des Tryglyceridspiegels durch das Östradiol.
Diagnostik
Hormonuntersuchungen (Östradiol, Testosteron, DHEAS)
Ophthalmologische Erkrankungen
- Glaukom
- Conjunctivitis sicca
- Katarakt
Ätiologie
Glaukom: Der Schlemm'sche Kanal, der die Augenkammer entlastet, wird durch Östradiol weit gestellt. Dadurch sinkt der Augendruck.
Bei Östrogenmangel kommt es zu gegenläufigen Entwicklungen.
Conjunctivitis sicca: verringerte Tränenproduktion auf Grund des Östrogenmangels.
Katarakt: Östrogene nehmen Einfluss auf die freie Radikalbindung und haben einen stabilisierenden Effekt auf Proteoglykane.
Diagnostik
Augendruckmessung, Schirmertest (zur Beurteilung der Tränenflüssigkeit), zytologischer Abstrich der konjunktivalen Zellen
Mammakarzinom - belastete Patientinnen
Bei Patientinnen, in deren Familie ein Mammakarzinom aufgetreten ist, oder die über längere Zeit an einer Mastopathie oder anderen benignen Erkrankungen der Brust leiden, sind drei Punkte zu beachten:
- Aufklärung und Diskussion über potenzielles Risiko für Mammakarzinom
- Welches ist die größere Belastung: die Wechselbeschwerden oder die Brustkrebswahrscheinlichkeit?
- Es muß die niedrigst mögliche Dosierung gewählt werden, so kurz als möglich, so lange als notwendig
Ätiologie
multifaktoriell, aber auch Stimulation von Wachstumsfaktoren und dadurch Stimulation der Zellteilung durch Steroidhormone möglich
Menopausale Blasenprobleme
Reizblase (Dysurie, Pollakisurie, Urge-Inkontinenz) sowie Inkontinenz 1. Grades können auftreten
Ätiologie
Dyskoordination des M. detrusor und des Blasenverschlussapparates
Diagnostik
- Hormonbestimmungen (FSH, Östradiol)
- Urodynamische Messung
- Cystoskopie
- Miktionsprotokoll






